Wieso braucht das Ruhrgebiet einen SlutWalk? Und was ist das eigentlich?

Der SlutWalk Ruhr(/Dortmund) bettet sich in einen internationalen Kontext, dessen Ursprung in Toronto, Kanada, liegt. Dort hat ein Polizeibeamter einmal zu viel suggeriert, es wäre Aufgabe der Frauen, eine Vergewaltigung abzuwenden, indem sie sich nicht „wie Schlampen“ kleiden sollten. Statt an potentielle Täter*innen zu appellieren: „Vergewaltigt nicht!“ wird immer wieder an potentielle Opfer appelliert: „Lasst euch nicht vergewaltigen!“. Dadurch findet eine Schuldumkehrung statt, die absolut fatal ist, denn ein Opfer hat nie Mitschuld an einem sexualisierten Übergriff. Selbst wenn die Person mitten in der Nacht splitternackt allein in einem dunklen Park spazieren gehen würde, bestünde keinerlei Legitimation für Grenzüberschreitungen jeglicher Art. Ein Nein ist und bleibt ein Nein – und hierbei spielt es absolut keine Rolle, wie eine Person gekleidet ist, wieviel sie getrunken, wie offensiv sie geflirtet hat oder was auch immer. Auch eine Person, die ihren Körper zeitweise für Geld verkauft, ist kein „Freiwild“ und nicht von ihrem Recht auf Respekt und damit einhergehende physische und psychische Unversehrtheit entbunden. Es spielt also gar keine wirkliche Rolle, was Einzelpersonen unter dem Begriff „Slut“/ „Schlampe“ verstehen, sondern es geht um die Solidarität mit allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Klasse, usw. – die schon einmal Opfer von sexueller Gewalt (wie subtil sie auch ausfallen mag) bzw. sexualisierten Übergriffen geworden sind.

Außerdem ist es uns wichtig, mit sämtlichen Vergewaltigungsmythen aufzuräumen, da sie die wahren Ursachen sexueller Gewalt verschleiern. Diese liegen nämlich nicht in knapper Kleidung, sondern in erster Linie in ungleichen Machtpositionen begründet. So werden zum Beispiel Schwarze oder behinderte Personen, Kinder, Menschen in prekären Anstellungsverhältnissen oder mit unsicherem Aufenthaltstatus sowie viele weitere Personengruppen in gesellschaftlichen Randpositionen besonders oft zu Opfern sexualisierter Übergriffe. Auch hierauf wollen wir im Zuge des SlutWalks Ruhr aufmerksam machen.

Lasst uns deshalb am 13. August gemeinsam in Dortmund auf die Straße gehen – für unser Recht auf Selbstbestimmung über unsere Körper und unsere Leben und gegen den sexistischen Normalzustand!